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Weltweite Wirtschaftskrise
 

Reichspräsidentenwechsel
Friedrich Ebert  (4. Februar 1871 - 28. Februar 1925)Friedrich Ebert (4. Februar 1871 - 28. Februar 1925)

Am 28. Februar 1925 starb Reichspräsident Ebert überraschend im Alter von nur 54 Jahren an einer verschleppten Blinddarm- und Bauchfellentzündung. Er hatte die nötige Operation zu lange aufgeschoben, um sich vor einem Magdeburger Gericht in zweiter Instanz gegen die Verleumdung eines deutschvölkischen Zeitungsredakteurs wehren zu können, der im Sinne der Dolchstoßlegende behauptete, Ebert habe im Januar 1918 als Mitorganisator mehrtägiger Streiks in Berlin und anderen Großstädten "Landesverrat" begangen. (Tatsächlich hatte er sich mit anderen MSPD-Führern damals in die Streikleitung eines von Linksradikalen initiierten Ausstandes wählen lassen, um diesen so schnell wie möglich zu beenden - was ihm von links den Vorwurf des "Arbeiterverrates" eintrug.) Die Landesverratsbeschuldigung war nur der Höhepunkt einer Verleumdungs- und Verunglimpfungskampagne, die den Reichspräsidenten ständig begleitete. In erster Instanz war der Journalist nur wegen Beleidigung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden - eine Verleumdung liege nicht vor, da Ebert im juristischen Sinne Landesverrat begangen habe.
Friedrich Eberts Hauptverdienst bestand in der Vermittlung der Einigung zwischen sozialdemokratischer Arbeiterschaft, linksliberalem Bürgertum und politischem Katholizismus über die Gründung der Weimarer Republik sowie in seiner, auch von seriösen politischen Gegnern anerkannten, untadeligen, überparteilichen Amtsführung. Sein unkritisches Vertrauen auf die "Fachleute" - konservative Generäle und Beamte - und seine unnachsichtige Härte gegenüber den Linksradikalen hatten ihn freilich seiner eigenen Partei zunehmend entfremdet. Gleichwohl bedeutete sein früher Tod einen schweren Verlust für die Weimarer Republik.
Bei der ersten Volkswahl des Reichspräsidenten lag nach dem ersten Wahlgang am 29. März 1925 Reichsinnenminister Karl Jarres (DVP), den auch die DNVP unterstützte, klar vor dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun (SPD) und den abgeschlagenen übrigen Bewerbern, verfehlte jedoch die erforderliche absolute Mehrheit.
Vor dem zweiten Wahlgang, in dem die relative Mehrheit genügte, bildeten sich der "Reichsblock" (DVP, BVP, DNVP, Deutschvölkische) und der "Volksblock" (SPD, DDP, Zentrum), die jeweils einen Kandidaten unterstützten. Im Volksblock sperrte sich das Zentrum gegen einen sozialdemokratischen Bewerber (Braun). Daraufhin unterstützte die SPD, um die Weimarer Koalition in Preußen nicht zu gefährden, Wilhelm Marx (Zentrum) als Volksblock-Kandidaten. Der Reichsblock präsentierte den noch immer populären 77-jährigen Generalfeldmarschall a.D. Paul von Hindenburg, der das breite Spektrum der rechts stehenden Wähler hinter sich bringen sollte. Bevor er die Kandidatur annahm, holte er heimlich die Zustimmung "seines" Kaisers in Doorn ein. Politisch unerfahren, aber geschickt beraten, gab er sich im Wahlkampf ebenso vaterländisch wie verfassungstreu.
Am 26. April 1925 entschied Hindenburg den zweiten Wahlgang knapp für sich. Marx fehlten vor allem die Stimmen der BVP, die, obwohl Schwesterpartei des Zentrums, einem antisozialistischen preußischen Protestanten den Vorzug vor einem liberal gesinnten rheinischen Katholiken gab. Auch die KPD war nicht über ihren Schatten gesprungen; sie hatte an der aussichtslosen, rein propagandistischen Kandidatur ihres Vorsitzenden Ernst Thälmann festgehalten, statt Marx als "kleineres Übel" mitzuwählen.
Der ehemalige OHL-Chef, prominente Monarchist und Miturheber der Dolchstoßlegende im höchsten Staatsamt der Republik - das war ein schwerer Schlag für die Demokratie. "Die Republikaner haben eine Schlacht verloren", kommentierte der angesehene liberale Publizist Theodor Wolff im "Berliner Tageblatt". Was die begeisterte Rechte von Hindenburg erwartete, äußerte der DNVP-Fraktionsvorsitzende Kuno Graf Westarp unverblümt am 19. Mai 1925 im Reichstag: "Die 14,6 Millionen, die am 26. April unserer Parole gefolgt sind, haben damit ein Bekenntnis abgelegt, ein Bekenntnis zu dem Gedanken der Führerpersönlichkeit, ein Bekenntnis zu jener Vergangenheit, die vor 1918 lag."


Quelle: "Informationen zur politischen Bildung", Copyright
Bundeszentrale für politische Bildung
www.bpb.de


 
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