Deutsche Geschichten
Deutsche Revolution
Deutsche Revolution
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Er wurde begeistert begrüßt - schließlich hatte man sich auch für die neue Regierung erhoben - und konnte die politische und militärische Leitung in Kiel übernehmen.

Aber die Angst, von heranrückenden Truppen eingeschlossen zu werden, und die Sorge um die in Wilhelmshaven noch inhaftierten Kameraden trugen die Matrosenbewegung über Kiel hinaus. Innerhalb weniger Tage lösten reisende Matrosengruppen in den militärischen Einrichtungen der norddeutschen Hafenstädte und weiterer Städte des Binnen-
landes eine revolutionäre Welle aus, die sich von selbst und unwiderstehlich in alle Him-
melsrichtungen fortpflanzte.

Impressionen der deutschen Revolution

Im Prinzip spielte sich überall dasselbe ab wie in Kiel: "Die 'Kaserne' revolutionierte die 'Fabrik'" (Ulrich Kluge), Soldatenräte und Arbeiterräte übernahmen die Macht, MSPD und USPD setzten sich an die Spitze der Rätebewegung, um sie in geordnete Bahnen zu lenken. Es gab kaum Blutvergießen - nur selten erhob sich noch eine Stimme oder regte sich eine Hand für die Rettung der alten Ordnung.

9. November 1918
Vom Matrosenaufstand in den Hafenstädten war der Funke der Revolution in wenigen Tagen auf fast alle Städte im Reich übergesprungen.


Berliner Revolution

Nach der Wilson-Note vom 23. Oktober setzte sich auch bei der Reichsregierung die Überzeugung durch, dass sich erst nach der Abdankung von Kaiser und Kronprinz ein erträglicher Frieden erreichen und die Oktoberverfassung noch retten ließ. Wilhelm II. dachte jedoch nicht daran, dem Thron zu entsagen.
Am 7. November, als die revolutionäre Welle bereits rollte, forderte die MSPD ultimativ einen stärkeren Einfluss im Kabinett, eine parlamentarische Regierung auch in Preußen und "den sofortigen Rücktritt des Kaisers und Kronprinzen". "Jetzt heißt's, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen, sonst gibt's doch anarchische Zustände im Reich" - so beurteilte Scheidemann die Lage.

Mittlerweile bereitete sich der linke Flügel der USPD in der Hauptstadt auf die Revolution vor. Besonders aktiv waren die "Spartakusgrup-
pe" (in Berlin annähernd 100, reichsweit 2000 bis 3000 Anhänger der russischen Revolution, geführt von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht) und die "Revolutionären Obleute" (80 bis 100 bei den Berliner Arbeitern angesehene linksradikale Gewerkschafts-
funktionäre). Wie überall musste die Haltung der Soldaten den Ausschlag geben; aber anders als in den übrigen Städten ging es in Berlin in erster Linie um die Kontrolle über die Reichspolitik.

Am 9. November begann die Revolution mit einem Generalstreik der größeren Betriebe, ausgerufen von den Revolutionären Obleuten und der Spartakusgruppe, mitgetragen von der MSPD und den ihr nahe stehenden Gewerkschaften, unterstützt von den zunehmend MSPD-orientierten Soldaten. Arbeiter- und Soldatenräte wurden gebildet, das Polizeipräsidium und andere strategisch wichtige Gebäude besetzt. Die Straßen der

Innenstadt füllten sich mit endlosen Demon-
strationszügen. Da die MSPD fürchtete, ihren Einfluss auf die revolutionäre Bewegung zu verlieren, erklärte sie ihren Austritt aus der Reichsregierung.

Abdankung der Hohenzollern

Währenddessen versuchte Prinz Max die Monarchie zu retten. Vergeblich beschwor er den Kaiser in Spa telefonisch und telegrafisch zur Übergabe des Throns an einen "Regen-
ten" (das heißt einen verfassungsmäßigen Vertreter), der Friedrich Ebert zum Reichs-
kanzler ernennen und eine "verfassung-
gebende deutsche Nationalversammlung" wählen lassen sollte. Gegen 11.30 Uhr sah der Reichskanzler keine andere Möglichkeit mehr, als eigenmächtig die vollständige Thronent-
sagung von Kaiser und Kronprinz bekannt zu geben. Gegen 12 Uhr erschien Friedrich Ebert mit weiteren Spitzenpolitikern der MSPD in der Reichskanzlei und forderte Prinz Max zur Übergabe der Regierungsgeschäfte auf.

Friedrich Ebert

Er wolle sich an die Verfassung halten, könne aber für die Monarchie keine Garantie mehr übernehmen. Nach einer kurzen Kabinetts-
beratung "übertrug" der Kanzler sein Amt auf den MSPD-Vorsitzenden.
Ebert wandte sich sogleich mit mehreren Aufrufen an die Öffentlichkeit, in denen er versprach, eine "Volksregierung" zu bilden, Frieden zu schließen und die Freiheit zu sichern. Eindringlich forderte er dazu auf, die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen, die Straßen zu verlassen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Eine verfassunggebende Nationalversammlung sei zu wählen - erstmals unter Beteiligung der Frauen. Die "Volksgenossen in Waffen" sollten so rasch wie möglich zu ihrer Familie und zur Erwerbsarbeit zurückkehren. Das Eigentum müsse vor "willkürlichen Eingriffen" geschützt werden.

Ausrufung der Republik

Aber die revolutionär gestimmten Massen erwarteten einen klar erkennbaren politischen Neubeginn. Gegen zwei Uhr nachmittags wurde Philipp Scheidemann genötigt, an ein Fenster des Reichstags zu treten und zu der versammelten Menge zu sprechen.

Philipp Scheidemann

Er ließ sich spontan dazu hinreißen, nicht nur das Ende der Hohenzollernherrschaft und des "Militarismus" zu verkünden, sondern auch die "deutsche Republik" auszurufen.

Audio
Audiobeitrag
Scheidemann Republikausruf 1918
9. November 1918 - Scheidemann wird durch die Ereignisse zum Handeln gezwungen und verkündet dem deutschen Volk:
"Seit euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewusst. (...) Alles für das Volk, alles durch das Volk. (...) Die Monarchie ist zusammengebrochen. (...) Es lebe das Neue, es lebe die deutsche Republik."

Reichskanzler Ebert werde eine Regierung aller sozialistischen Parteien bilden. Die

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