Deutsche Geschichten
Kapitulation
Kapitulation
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im amerikanischen Bürgerkrieg auf. Im Februar 1862 stand Unionsgeneral Ulysses Simpson Grant vor dem Konföderierten-Fort Donelson im Norden Tennessees.

Neues Verständnis von Krieg

Mit der aufkommenden Industrialisierung und der Entwicklung neuer Waffen wuchs das Zerstörungspotenzial von Kriegen. Ebenso wandelte sich das Bild vom Gegner. Nicht mehr der begrenzte Waffengang mit beiderseitig akzeptierten Regeln stand im Mittelpunkt, sondern die totale Unterwerfung des Feindes. Daher erübrigten sich auch Verhandlungen; der Verlierer hatte die Bestrafung durch den Sieger zu akzeptieren. Die eigene Sache war gerecht, die des Kontrahenten nicht. So bezeichneten etwa die Alliierten im Ersten Weltkrieg ihre deutschen Gegner als "Hunnen" und verbreiteten Schauermärchen über sie.

Der Gegner als Feind

Die Verteufelung des Kriegsgegners erreichte dann mit dem Russlandfeldzug im Zweiten Weltkrieg einen grausigen Höhepunkt: Adolf Hitler forderte "unerhörte Härte" gegen das "bolschewistische Judentum" und schuf etwa mit dem berüchtigten "Kommissarbefehl" wesentliche Voraussetzungen für einen beispiellosen Rassen- und Vernichtungskrieg.

Im Januar 1943 trafen sich Franklin Roosevelt und Winston Churchill in Casablanca, Marokko zur ersten großen Konferenz der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Hier verständigten sie sich auf eine gemeinsame Strategie gegen Hitler. Wichtigstes Ergebnis war die Forderung nach der "bedingungslosen Kapitulation" der Achsenmächte.

Diese Aussage hatte weitreichende Folgen, stand sie doch für die Entscheidung, die vom Deutschen Reich und den Nationalsozialisten ausgehende Bedrohung ein für allemal zu eliminieren. Man werde keinen Kompromiss oder Mittelweg akzeptieren. Die Forderung war zudem als Signal an die Sowjetunion gedacht, trotz der sich verspätenden Invasion über den Ärmelkanal an der Ostfront weiter gegen die Wehrmacht zu kämpfen. Nicht zuletzt zerstörte der eindeutige Wortlaut jede Hoffnung, die Hitler sich auf Friedens- Verhandlungen hätte machen können. Die Alliierten verlangten damit nicht mehr nur ein Niederlegen der Waffen zur Einstellung der Feindseligkeiten.
Sie forderten die militärische und politische Totalkapitulation des Deutschen Reiches. Die Reaktionen darauf waren unterschiedlicher Natur. Papst Pius XII. beispielsweise wandte sich mit Sorge an Roosevelt, fürchtete er doch eine unnötige Verlängerung des Krieges und den Tod weiterer Tausender Menschen. Joseph Goebbels nutzte die Forderung in seiner Propaganda als Beweis für die alliierten Unterwerfungsabsichten - und beschwor damit den Durchhaltewillen der Deutschen.

Joseph Goebbels

Die Opposition innerhalb der Wehrmacht haderte mit der "Casablanca-Forderung". Sie sah sich durch das von den Westmächten geforderte Kriegsende um wesentliche Erfolgsaussichten gebracht, weil sie dem deutschen Volk auch bei einem gelungenen Sturz Hitlers keinen weniger demütigenden Waffenstillstand versprechen konnte.

Keine neue Dolchstoßlegende

Roosevelt und Churchill aber waren sich einig darin, dass mit dem Überdauern des Deutschen Reiches nur die Saat für einen neuen Krieg gelegt wäre. So ließ Roosevelt dem Papst versichern, dass die verlangte bedingungslose Kapitulation der "Nazi-Armee" eben nicht gegen das deutsche Volk ziele. Sie solle der Welt zeigen, dass die deutsche Wehrmacht nicht unbesiegbar sei, wie dies so viele immer noch glaubten.

Sieg der Alliierten

Zurück von der Konferenz in Casablanca erläuterte Roosevelt in einer Radioansprache seine Entscheidung dem amerikanischen Volk so: "Unsere kompromisslose Politik ist nicht als Angriff auf die einfachen Bürger der Achsenmächte zu verstehen. Sie ist zu verstehen als das Streben nach einer vollständigen und umfassenden Bestrafung ihrer schuldigen und barbarischen Führer ...".
Am 7. Mai 1945 unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl im Alliierten Hauptquartier im französischen Reims die Gesamtkapitulation aller deutschen Streitkräfte: "Wir, die hier Unterzeichneten, die wir im Auftrage der Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht handeln, übergeben hiermit bedingungslos dem Obersten Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und gleichzeitig dem Oberkommando der Roten Armee alle gegenwärtig unter deutschem Befehl stehenden Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft." (Erster Absatz der Kapitulationsurkunde).

Festnahme einer Regierung

Das Deutsche Reich wurde unter die vollständige Kontrolle der Alliierten gestellt. Für eine deutsche Regierung war kein Platz mehr. Die Regierung Dönitz in Flensburg wurde nur wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation von den alliierten Siegern abgesetzt und in die Gefangenschaft geführt. Ein Vorgang, wie es ihn in der europäischen Staatengeschichte so noch nicht gegeben hatte.

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