Deutsche Geschichten
Antisemitismus

Der Begriff Antisemitismus bedeutet in der politischen Praxis "Judenfeindlichkeit" und wurde 1879 von Wilhelm Marr geprägt.

Wannseekonferenz -»Endlösung der Judenfrage«

Hitler hatte schon in seinem Bekenntnisbuch »Mein Kampf« seine Absicht kundgetan, im Falle einer Machtübernahme eines Tages das Judentum aus dem deutschen Volksleben »auszumerzen«. Nach der Machtergreifung der National-
sozialisten hatte er wiederholt diesen Plan als unverrückbares Ziel bezeichnet. In Deutschland und nach dem Anschluss auch in Österreich war schon vor dem Krieg die Zahl der jüdi-
schen Bürger infolge der ständigen Diffamierungen und Demütigungen nach Erlass der Nürnberger Gesetze, schließ-
lich nach dem Judenpogrom des 9. November 1938, der so genannten Reichskristallnacht, durch Auswanderung, die sich zur Massenflucht ausweitete, um mehr als die Hälfte vermin-
dert worden. Mit Kriegsbeginn steigerten sich die Drangsalie-
rungen jüdischer Menschen zu brutalen Terrormaßnahmen, besonders in den besetzten Ostgebieten, wo Himmlers berüchtigte Einsatzgruppen die jüdische Bevölkerung in Ghettos zusammentrieben und durch Massenexekutionen dezimierten. Die letzte und höchste Steigerung der unmenschlichen Barbarisierung begann mit dem Russland-feldzug, den Hitler zum »Weltanschauungskrieg« gegen das »jüdischbolschewistische Untermenschentum« erklärt hatte. Jetzt wurde auch der ursprüngliche Plan, die europäischen Juden

geschlossen nach Madagaskar umzusiedeln, zugunsten der Deportation in den Ostraum aufgegeben. Im Auftrage Hitlers wies Göring am 31. Juli 1941 den SS-Gruppenführer und Chef des Reichs-
sicherheitshauptamtes (RSHA) Reinhard Heydrich, die rechte Hand Himmlers, an, eine Gesamtplanung für die »Endlösung der Judenfrage« zu erstellen. Heydrich erläuterte seinen Plan am 20. Januar 1942 den Vertretern derjenigen Reichsministerien und obersten Parteidienst-
stellen, die in irgendeiner Form mit dieser Aktion befasst waren. Das Protokoll dieser Wannseekonferenz entstammt den Aufzeichnungen des SS-SturmbannführersEichmann. Heydrich entwickelte in bürokratischer Tarnsprache sein Vorhaben. Die im Herrschaftsbereich der SS liegenden europäischen Länder sollten systematisch »gesäubert« werden, die Juden »in geeigneter Weise im Osten zum Einsatz kommen«, wobei schon einkalkuliert wurde, dass dabei »zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. « Der übrig bleibende Teil »wird entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.« Mit dieser grausamnüchternen Amtssprache war eindeutig die Ausrottung, auch die der Kinder, vorprogrammiert. Schwerbeschädigte und Weltkriegsteilnehmer mit

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Zeitzeugenbericht:
9. November 1938

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Reichspogromnacht

Christopher R. Browning-
"Der Weg zur "Endlösung"

Gab Hitler den Befehl? Und wenn nicht er, wer hat dann das Morden angeordnet und organisiert? In der kurzen Zeitspanne zwischen Mitte März 1942 und Februar 1943 starb fast die Hälfte aller Opfer des Holocaust. Die Analyse des renommierten Holocaust-Forschers Christopher R. Browning benennt die Verantwortlichen und macht ihre Motive und Mentalität nachvollziehbar. "Brownings Beiträge gehören heute zum Standardrepertoire aller Historiker, die sich mit den NS-Verbrechen beschäftigen. Sie sind wegweisend in der Täterforschung ..." Dieter Pohl in "Die Zeit", 27.8.1998

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