Deutsche Geschichten
Machtergreifung
Machtergreifung
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Undeutsches Schrifttum

Joseph Goebbels, seit dem 13. März 1933 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda im Kabinett Hitlers, war der Initiator der schon im Frühjahr 1933 ein-
setzenden Aktionen gegen missliebige, zum Teil jüdische Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler und Publizisten. Am 10. Mai 1933 wurden in Berlin und anderen deutschen Universitätsstädten unter großem pro-
pagandistischem Aufwand Aktionen zur „Verbrennung undeutschen Schrifttums“ von nationalsozialistischen Studenten durchgeführt.
Mit „Feuersprüchen“ wurden als „entartet“ und „undeutsch“ bezeichnete Bücher vieler namhafter Autoren auf den Scheiterhaufen geworfen. Zu den von den Nazis Verfemten gehörten Heinrich Mann, Sigmund Freud, Heinrich Heine, Karl Marx, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Erich Kästner und viele andere.

Viele der Verfemten flohen oder wanderten aus, darunter fast alle deutschen Schriftsteller von Rang, einige begingen Selbstmord. In der deutschen Öffentlichkeit wurden diese Vor-
gänge mehr oder weniger hingenommen; Erschrecken zeigte sich nur dort, wo An-
gehörige oder Freunde betroffen waren. Eine der wenigen, die ihrer Empörung öffentlich Ausdruck gaben, war Ricarda Huch. Sie protestierte in einem Brief an den Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste, als diese begann, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen, und erklärte ostentativ ihren Austritt aus der Akademie.

H. Welzer, S. Moller, K. Tschuggnall -
"Opa war kein Nazi" - Auszüge der Zeitzeugin Krug

>> Wie aus Vergangenheit Geschichte wird, zählt zu den zentralen Fragen der Geschichtswissenschaft. Weitgehend unbeachtet ist dabei bislang geblieben, in welcher Weise Geschichte vom sogenannten Laienpublikum in Schule, Beruf und Familien rezipiert, angeeignet und umgedeutet wird. Der Sozialpsychologe Harald Welzer hat in den letzten Jahren mit seinem Forschungsprojekt >>Tradierung von Geschichtsbewusstsein<< die intergenerationelle Weitergabe der NS-Vergangenheit innerhalb von Familien untersucht. Seine desillusionierende Ergebnisse haben öffentliches Erstaunen, Erschrecken und Skepsis ausgelöst.<< WerkstattGeschichte 30/2001

H. Welzer, S. Moller, K. Tschuggnall -
"Opa war kein Nazi" - Auszüge des Zeitzeugen Hofer

Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis

Röhm-Affäre

Exponent der Unzufriedenen in der NSDAP nach dem vorübergehenden Abschluß der Machtergreifung war SA-Führer Ernst Röhm, der im Juni 1933 die bisherigen Erfolge für nur ein Teilstück auf dem Weg zum national-
sozialistischen Staat erklärt hatte.

Ernst Röhm

Seine Ungeduld warf ein Licht auf einen Bereich, in dem die NSDAP ihren Einfluß nicht hatte ausdehnen können und der ihrem Allein-
herrschaftsanspruch entgegenstand: die bewaffnete Macht. Zwar war das Verhältnis der Reichswehr zur nationalen Regierung Hitler von Wohlwollen bestimmt, aber das änderte nichts an dem Unabhängigkeitswillen der Armee und ihrer Nähe zu der anderen noch unabhängigen politischen Macht, dem Reichspräsidenten. Die Machtverhältnisse waren am Ende der dritten Machter-
greifungsphase im Sommer 1933 zu dem konfliktreichen Dreiecksverhältnis von NSDAP, Armee und Reichspräsident verschlungen, als der historische Zufall die Entwicklung wieder einmal beschleunigte. Das Regime trieb im Frühsommer 1934 auf eine erste politische und auch ökonomische Krise zu. Sie konnte Hitlers Machtstellung empfindlich treffen und vor allem seine Absicht gefährden, die Nachfolge des todkranken Reichspräsidenten Hindenburg anzutreten. Es war eine Bündelung vieler Konflikte, Probleme und Mißstimmungen, die durch Versorgungsmängel und eine in vielen Bereichen noch hohe Arbeitslosigkeit genährt wurden. Vor allem lagen die Krisenursachen in den internen politischen Machtkonflikten.

Der Diktator war in dieser Situation zunächst mehr der Getriebene als der Treibende. Erst als die Gegensätze eskalierten, nutzte er im Bündnis mit der Reichswehrführung und der SS die "Röhm-Affäre", um am 30. Juni 1934 in einem Doppelschlag innerparteiliche Rivalen, den SA-Führer sowie konservative Opponenten ermorden zu lassen.

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Die Röhm-Affäre

Es ging darum, Röhm und seine unruhigen "SA-Revoluzzer" zu bremsen, den Ansprüchen der Reichswehr entgegenzukommen und die Gegenpläne der konservativen Partner zu durchkreuzen. Mit seinem entschlossenen Vorgehen wollte Hitler aber auch die ver-
breitete Mißstimmung in der Bevölkerung besänftigen, die infolge der wirtschaftlichen Engpässe sowie des offenkundigen mora-
lischen Fehlverhaltens und des organisa-
torischen Versagens kleinerer NS-Unterführer entstanden war, die ihren Ämtern nicht gewachsen waren oder sich persönlich bereichert hatten.

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